LKW-Maut in Deutschland 2026: Mautpflicht ab 3,5 t, Tarife, Karte, Zahlung
Seit dem 1. Juli 2024 gelten in Deutschland erweiterte Mautbestimmungen für LKW: Die Mautpflicht erstreckt sich nunmehr auch auf Fahrzeuge, deren technisch zulässige Gesamtmasse (tzGm) 3,5 Tonnen erreicht oder übersteigt. Dies führt dazu, dass neben etablierten Fernverkehrs-Speditionen gleichfalls Unternehmen mit heterogenen Fuhrparkstrukturen sowie solche, die LKW sporadisch oder privat einsetzen, zur Mautzahlung verpflichtet sind.
Die LKW-Mautgebühren in Deutschland werden durch vielfältige Parameter bestimmt: CO₂-Emissionsausstoß, Achsenanzahl des Fahrzeugs, zulässige Fahrzeugmasse und die konkret befahrene Streckenführung. Auf welche Weise lassen sich Rechenfehler bei der Tarifermittlung ausschließen, an welchen Stellen und Verfahren erfolgt die Gebührenzahlung, welche Konsequenzen entstehen bei Regelverletzungen und welche Fahrzeuggruppen genießen Gebührenbefreiungen – MT onroad hat in seiner Funktion als Fachexperte im Bereich Logistik und rechtliche Compliance-Anforderungen des Güterkraftverkehrs eine anwendungsorientierte Anleitung zur Mautzahlung in Deutschland verfasst. Wir stellen Ihnen nachfolgend die gesamte Bandbreite der Informationen zur Verfügung, die für das Geschäftsjahr 2026 erforderlich sind.
Was ist die LKW-Maut in Deutschland und welche Funktion erfüllt sie?
Die LKW-Maut stellt eine verbindliche finanzielle Abgabe dar, die bei der Infrastrukturnutzung von Bundesautobahnen und Bundesstraßen in der Bundesrepublik durch Lastkraftwagen eingezogen wird. Die Autobahnmaut für LKW in Deutschland wurde im Jahre 2005 eingeführt und hat seither mehrere Transformationsphasen erfahren. In der Initiierungsphase beschränkte sich die Gebührenregelung auf schwere Lastkraftwagen mit einer Betriebsmasse von mindestens 12 Tonnen auf Autobahnstrecken. Ab Juli 2018 erweiterte sich die Erhebung auch auf Bundesstraßennetze, und seit Juli 2024 erfasst die Mautpflicht sämtliche Lastkraftwagen ab 3,5 Tonnen technisch zulässiger Gesamtmasse (tzGm).
Das deutsche Mautsystem für Lastkraftwagen funktioniert nach dem Grundsatz, dass ein Fahrzeug ausschließlich für die tatsächlich in Anspruch genommene Verkehrswegeinfrastruktur entrichtet. Dieses System hat frühere pauschalisierte Straßenverkehrsabgaben teilweise verdrängt. Der Zweck der LKW-Mautgebühr in Deutschland liegt in der Finanzierungssicherung des Fernstraßennetzes sowie in der wirtschaftlichen Förderung von Fahrzeugen mit reduzierten Umweltbelastungspotenzialen. Zur Verdeutlichung: Im Jahre 2024 generierten die Gebühreneinnahmen aus der Mauterhebung in Deutschland ein Volumen von knapp 13 Milliarden Euro. Das Hälfte dieser Einnahmen verwendet man für die Bestandssicherung und die Erwerbung von Autobahn- und Bundesstraßeninfrastruktur, die restliche Hälfte kommt Infrastrukturprojekten des Schienengüterverkehrs und des Wasserwegsystems zugute.
Anders als bei pauschalierten Steuersystemen erfolgt die Gebührenberechnung für Lastkraftwagen in Deutschland nach fahrzeugspezifischen Kriterien:
- der Länge der gefahrenen Strecke;
- dem CO₂-Emissionswert;
- der Achszahl des Fahrzeugs;
- der technisch zulässigen Gesamtmasse (tzGm).
Damit ist die Mautquote für jedes einzelne Fahrzeug differenziert und entspricht dem Grade der verursachten Infrastrukturabnutzung.
Seit dem Jahr 2023 kam eine CO₂-Differenzierungskomponente in das System. Dementsprechend erhalten Lastkraftwagen mit hochentwickelter Umweltschutztechnologie einen Gebührensatz von Null Euro und bleiben bis zum 30. Juni 2031 gebührenfrei. Dies ist ein Bestandteil der übergeordneten Europäischen Strategie zur Reduktion von CO₂-Emissionen in der Verkehrswirtschaft.
Welche Fahrzeugkategorien unterliegen ab 2024 der Mautpflicht in Deutschland?
Seit dem 1. Juli 2024 gelten in Deutschland Mautgebühren für sämtliche motorisierte Güterkraftfahrzeuge, deren technisch zulässige Gesamtmasse (tzGm) die Grenze von 3,5 Tonnen überschreitet. Hierzu zählen etablierte Zugmaschinen, Fahrzeuge mittlerer Leistungsklasse sowie Nutzfahrzeuge geringeren Gewichts, sofern diese für Warentransportfunktionen eingesetzt werden.
Was versteht man unter der Abkürzung „tzGm"?
Die Abkürzung „tzGm" bezeichnet die vom Fahrzeughersteller angegebene maximale Betriebsmasse eines Fahrzeugs unter Berücksichtigung der Fahrzeugstruktur, der Transportlast, der Fahrerbesetzung, eventueller Mitfahrender und der Betriebsmittel – wie der Fabrikant festlegt. Dokumentiert ist dieser Wert in Feld F.1 der Zulassungsbescheinigung Teil I (dem Fahrzeugschein).
Entscheidend für die Mautpflicht-Feststellung ist diese Angabe, nicht jedoch das aktuell gemessene Betriebsgewicht des Fahrzeugs. Auch falls das Fahrzeug gegenwärtig ohne Ladung unterwegs ist, jedoch eine über 3,5 t trägt, bleibt es mautpflichtig in Deutschland.
Sollte das Zugfahrzeug eine mehr als 3,5 t besitzen und ein leichter Anhänger angehängt sein, ist die Zahlung erforderlich. Falls hingegen das Zugfahrzeug ein tzGm unterhalb 3,5 t aufweist, die Fahrzeugkombination inklusive Anhänger aber die Schwelle übersteigt, entfällt die LKW-Mautgebühr dennoch. Allein die Betriebsmasse des vorausfahrenden Fahrzeugs findet Beachtung.
Zu beachten ist, dass exakt die tzGm herangezogen wird, nicht die im operativen Betrieb tatsächlich gemessene Fahrzeugmasse. Selbst wenn das Fahrzeug nur teilweise beladen ist und momentan unter seiner Maximalbelastung fährt, aber sein zulässiges Gesamtgewicht 3,5 t übersteigt, unterliegt es der Mautpflicht.
Welche Fahrzeugtypen sind mautpflichtig?
Ab 2024 gilt die LKW-Mautpflicht in Deutschland für folgende Fahrzeugtypen (sofern sie über 3,5 t tzGm liegen und für den Gütertransport verwendet werden):
- Sattelzugmaschinen aller Gewichtsklassen ab 3,5 t;
- Geschlossene Kastenwagen mit tzGm > 3,5 t;
- Bordwandfahrzeuge und Kipper;
- Transporter mit Doppelkabine, Pick-ups, Kleinbusse (sofern als LKW zugelassen);
- Fahrzeuge, die für handwerkliche Zwecke (handwerklich genutzt) oder den Materialtransport umgebaut wurden;
- Kühlfahrzeuge und isolierte Kastenwagen;
- Spezialfahrzeuge, wenn sie für den Gütertransport registriert sind;
- Zugfahrzeuge mit Anhänger oder Auflieger (nur Zugmaschine relevant);
- Viehtransporter, Technikfahrzeuge und Fahrzeuge landwirtschaftlicher Betriebe;
- Betonmischer, Baumaschinen im Straßenverkehr und andere vergleichbare Fahrzeuge.
Welche Regel zur LKW-Maut gelten bei privater Nutzung?
Auch bei privater Nutzung eines Fahrzeugs gilt die Mautpflicht, wenn:
- Die tzGm über 3,5 t beträgt.
- Das Fahrzeug für den Transport von Gütern eingesetzt wird – z. B. Werkzeuge, Geräte, Möbel oder persönliche Gegenstände.
Viele gehen fälschlicherweise davon aus, dass keine Maut gezahlt werden muss, wenn ein LKW oder Transporter privat genutzt wird – etwa für den Umzug oder den Transport von Baumaterial. Doch das ist ein Irrtum. Seit 2024 gilt: Die LKW-Autobahnmaut in Deutschland ist unabhängig vom Zweck der Fahrt zu entrichten.
Beispiele für mautpflichtige Fahrten trotz privater Nutzung:
- Eine Privatperson transportiert Baumaterialien mit einem Transporter über 3,5 t tzGm → Mautpflicht.
- Eine Firma bringt Messetechnik mit einem entsprechend schweren Fahrzeug zur Veranstaltung → Mautpflicht.
- Ein Wohnmobil, das offiziell als LKW zugelassen ist und für den Warentransport genutzt wird → Mautpflicht.
Auf welchen Strecken gilt die LKW-Maut in Deutschland?
Gemäß der geltenden Gesetzgebung wird für die Nutzung aller Bundesautobahnen und Bundesstraßen eine Gebühr erhoben. Diese wird fällig, wenn Ihr Fahrzeug die Kriterien für die Tarifierung nach Gewicht, Emissionen und Verwendungszweck erfüllt.
Seit 2018 umfasst das System praktisch das gesamte Bundesstraßennetz – etwa 51 000 km, darunter Autobahnen, wichtige Transitstrecken und Zufahrtsstraßen zu Industriegebieten.
Welche Straßen gelten als mautpflichtig?
Eine mautpflichtige Straße ist ein Straßenabschnitt, für dessen Nutzung ein Mautentgelt gemäß dem Bundesfernstraßenmautgesetz (BFStrMG) erhoben wird. Die Mautpflicht betrifft folgende Straßentypen:
- Autobahnen (A1, A2, A3 usw.) – vollständig, einschließlich Ausfahrten, Anschlussstellen und Raststätten.
- Vier- und zweispurige Bundesstraßen (B-Straßen), z. B. B7, B10, B96 und andere.
- Ausfahrten und Zufahrtsstrecken, sofern sie zum Bundesstraßennetz gehören.
- Parkplätze und Raststätten, sofern sie an die Autobahn angebunden sind.
Der Verkehr auf diesen Strecken wird über stationäre Kontrollbrücken, automatische Säulen und mobile Stationen überwacht. Ein Verstoß gegen die Mautpflicht – etwa durch Nichtzahlung oder falsche Angabe – wird automatisch registriert und sanktioniert.
LKW-Maut Ausnahmen: Wo darf man ohne Gebühr fahren?
Einige Abschnitte der Bundesstraßen wurden aufgrund internationaler Vereinbarungen oder Besonderheiten der Streckenführung von der Tarifierung ausgenommen. Diese Abschnitte sind in §1 Abs. 3 BFStrMG aufgeführt.
Nachfolgend finden Sie eine Tabelle mit den wichtigsten Ausnahmen (Daten von BALM für das Jahr 2026):
| № | Straßen | Mautfreier Abschnitt | Anmerkung |
| 1 | A6 | Von der Grenze zu Frankreich bis zur Anschlussstelle Saarbrücken-Fechingen (in beiden Fahrtrichtungen) | Transitkorridor |
| 2 | A5 | Von der Grenze zur Schweiz bis zur Anschlussstelle Müllheim/Neuenburg (in beiden Fahrtrichtungen) | Schweizer Transitregelung |
| 3 | Teile von Bundesstraßen | Einzelne Abschnitte, die durch private Konzessionäre betrieben werden | Eigene Mautsysteme |
| 4 | Anschlussstellen | Bestimmte Auf- und Abfahrten, die nicht an das Toll-Collect-System angeschlossen sind | Nicht mautpflichtig |
* Die vollständige Liste der kostenlosen Straßenabschnitte wird regelmäßig aktualisiert und ist auf dem BALM-Portal über den entsprechenden Link verfügbar.
Wo kann man die aktuelle Karte mautpflichtiger Straßen einsehen?
Für eine korrekte Routenplanung und zur Vermeidung von Fehlern bei der Mautberechnung in Deutschland empfiehlt sich die Nutzung der offiziellen interaktiven Karte der mautpflichtigen Straßen, bereitgestellt vom Mautbetreiber Toll Collect. Die digitale Mautstraßenkarte zeigt:
- alle aktuell mautpflichtigen Straßen;
- Standorte der Kontrollsäulen und Kontrollbrücken;
- von der Mautpflicht ausgenommene Abschnitte;
- exakte Grenzen zwischen mautpflichtigen und nicht-mautpflichtigen Straßen.
Tipp von MT onroad:
Bei Unklarheiten empfiehlt sich stets, die Recherchefunktion im Online-Portal von Toll Collect zu nutzen, um zu überprüfen, ob eine spezifische Route der Gebührenpflicht unterliegt:
Mautkosten für LKW in Deutschland: Wie berechnet sich die Gebühr?
Die Gebührenhöhe in Deutschland ergibt sich aus der gültigen Mauttabelle des Bundesamts für Logistik und Mobilität (BALM):
Die Mautgebühr wird gemäß der offiziellen Mauttabelle des Bundesamts für Logistik und Mobilität (BALM) berechnet. Wesentliche Berechnungsparameter sind:
- Achsenanzahl des Fahrzeugs
- technisch zulässige Gesamtmasse (tzGm)
- Schadstoffemissionsklasse (Abgasstandard)
- CO₂-Emissionskategorie
Für das Jahr 2026 erfolgt die Festlegung der Gebührensätze für schwere Lastkraftwagen mit vier oder mehr Achsen auf Grundlage dieser Kennwerte. Je nach Parameterkombination können die Gebühren pro Kilometer 0,30 € übersteigen. Lastkraftwagen ohne CO₂-Emissionen genießen bis zum 30. Juni 2031 Befreiung von der Gebühr; emissionsfreie Fahrzeugeinheiten bis 4,25 t tzGm bleiben zeitlich unbegrenzt vollständig ausgenommen.
Wo und wie erfolgt die Zahlung der LKW-Maut in Deutschland: Übersicht der Möglichkeiten
Die Gebührenerhebung für Lastkraftwagen in Deutschland vollzieht sich durch mehrere bewährte Zahlungsverfahren – vom vollständig automatisierten System bis zur individuellen manuellen Einzelbuchung. Welches Zahlungsverfahren zweckmäßig ist, wird durch die Fahrthäufigkeit, die Flottengröße und die verfügbare Ausrüstung bestimmt.
1. Automatische Mautabrechnung per OBU (On-Board-Unit)
Die On-Board-Unit (OBU) ist ein fest im Fahrerhaus verbautes Gerät, das mit dem System von Toll Collect verbunden ist. Sie erkennt selbstständig alle gefahrenen mautpflichtigen Straßen in Deutschland und übermittelt die Daten automatisch.
Voraussetzungen für die Nutzung:
- Registrierung des Fahrzeugs bei Toll Collect
- Installation der OBU durch einen autorisierten Partner
- Automatisches Tracking des Streckenverlaufs und Übermittlung an das Mautsystem
- Mautberechnung erfolgt automatisch ohne Eingriff des Fahrers
Dieses Verfahren wird vor allem von Unternehmen mit regelmäßigem Güterverkehr und eigenem Fuhrpark genutzt. Zudem wird die OBU auch im Rahmen des EETS (Europäischer Elektronischer Mautdienst) eingesetzt.
Registrierung & Infos: toll-collect.de → OBU-Registrierung
2. Manuelle Buchung per Toll-Collect App oder Terminal
Falls keine OBU vorhanden ist, kann die Mautgebühr auch manuell gezahlt werden – entweder über die offizielle Toll-Collect-App oder über Mautterminals an mautpflichtigen Straßen.
So funktioniert’s:
- Registrierung des Fahrzeugs bei Toll Collect
- Download der mobilen App (iOS/Android)
- Eingabe von Strecke, Datum, Uhrzeit und Fahrzeuginformationen
- Erhalt einer Buchungsbestätigung und Zahlungsquittung
- Mitführen der Quittung bei Kontrollen
Diese Methode ist ideal für Gelegenheitsfahrer, Mietfahrzeuge, Probefahrten oder unregelmäßige Touren geeignet.
Toll Collect App verfügbar bei: Google Play / App Store
3. Online-Buchung ohne OBU
Fahrer und Unternehmen ohne fest verbaute On-Board-Unit (OBU) können die Mautgebühr im Voraus über das Webportal von Toll Collect im persönlichen Kundenbereich bezahlen.
Funktionen der Online-Buchung:
- Nutzung ohne OBU oder zusätzliche Hardware möglich
- Nur eine Registrierung auf der Plattform ist erforderlich
- Buchung bis zu 24 Stunden vor Fahrtbeginn möglich
- Strecke, Fahrzeugdaten und Startzeitpunkt werden manuell eingegeben
- Kontrolle erfolgt anhand des amtlichen Kennzeichens
Diese Methode ist besonders flexibel, erfordert jedoch höchste Sorgfalt: Fehler bei der Eingabe der Route oder Fahrzeugparameter können als Verstoß gegen die Mautpflicht gewertet werden und zu Bußgeldern führen.
Direkt zur Online-Buchung: https://www.maut.toll-collect.de/ui/web/#/home
4. Zahlung über EETS-Anbieter
Der European Electronic Toll Service (EETS) ermöglicht es, mit nur einem Gerät und einem Vertrag mautpflichtige Straßen in Deutschland und weiteren europäischen Ländern zu nutzen.
EETS ist sinnvoll für:
- Speditionen mit grenzüberschreitendem Verkehr;
- Unternehmen mit ERP-Integration und zentralisierter Abrechnung;
- Fuhrparks, die einheitliches Flottenmanagement in Europa wünschen.
Die Installation der OBU erfolgt über einen zertifizierten EETS-Anbieter (z. B. Toll4Europe, Eurowag, Telepass, Axxès). Das Gerät ist in mehreren Ländern nutzbar – darunter Deutschland, Belgien, Österreich, Frankreich und Polen.
Anbieterübersicht und Infos: balm.bund.de → EETS-Anbieter.
5. TollNow — neues manuelles Bezahlverfahren ab 2026
Ab Januar 2026 führt Toll Collect schrittweise ein zusätzliches manuelles Bezahlverfahren ein – TollNow, das für gelegentliche Nutzer konzipiert ist. Im Gegensatz zur Online-Buchung über das Web-Interface erfordert TollNow keine detaillierte Routenplanung im Voraus und ist für unregelmäßige oder einmalige Fahrten gedacht.
Mit TollNow wird die Maut unmittelbar vor Fahrtbeginn oder während der Fahrt bezahlt, ohne Installation einer OBU. Das System wird als mobile Lösung umgesetzt (in der ersten Phase iOS) und richtet sich an Einzelfahrten, gemietete Lkw, private Transporte sowie kleine Unternehmen ohne festen Fuhrpark.
TollNow ersetzt weder die Web-Buchung noch das automatische OBU-System, sondern ergänzt die bestehenden Zahlungsarten und schließt die Lücke zwischen vorausgeplanter Online-Buchung und vollautomatischer Mauterhebung.
Wer muss keine Maut zahlen?
Bestimmte Fahrzeugkategorien unterliegen im Jahre 2026 nicht den Mautgebührenregelungen:
Von der Mautpflicht befreit sind:
- Fahrzeuge mit einer tzGm bis zu und einschließlich 3,5 t
- Fahrzeuge von Feuerwehr-, Polizei-, Rettungsdienstorganisationen und Streitkräften
- Abschleppfahrzeuge, fahrtaugliche medizinische Behandlungseinrichtungen, Laborfahrzeuge
- Spezialausführungen von Fahrzeugen, die nicht für Warentransport bestimmt sind (z. B. Übertragungsfahrzeuge, Fahrzeuge für Forschungszwecke)
Handwerkerausnahme (ab 1. Juli 2024)
Fahrzeuge in der Gewichtsklasse zwischen 3,5 und 7,5 Tonnen tzGm genießen unter definierten Bedingungen eine Gebührenbefreiung, wenn diese:
- zum Transport eigener Werkzeuge, Geräte und Rohstoffe zu Baustellen herangezogen werden
- zur Belieferung von Kunden mit handwerklich hergestellten Erzeugnissen dienen
- typische handwerksbetriebliche Fahrten ohne gewerbliche Fremdguttransportfunktion durchführen
Zur Inanspruchnahme dieser Ausnahmeregelung ist eine Eintragung im System des Betreibers erforderlich: toll-collect.de → Handwerkerregelung.
CO₂-freie Fahrzeuge
Emissionsfreie Lastkraftwagen mit einer tzGm über 4,25 t: zeitlich begrenzte Gebührenbefreiung bis zum 30. Juni 2031 (ausschließlich reine Elektroantriebe oder Wasserstoffantriebssysteme).
Dauerhafte Mautbefreiung
Emissionsfreie Fahrzeugeinheiten bis zu einer tzGm von 4,25 t: unbegrenzte dauerhafte Ausnahme von der Mautgebühr.
Was passiert bei falschen Angaben oder nicht gezahlter Maut?
Regelverstöße gegen die Mautgebührenpflicht gelten als Ordnungswidrigkeitsverfahren gemäß §10 BFStrMG. Die Überwachung der Einhaltung erfolgt mittels stationärer Kontrollbrückenscanner, automatisierter Erfassungssäulen und beweglicher Kontrollteams des BALM. In diesem Prozess werden die im System registrierten Daten mit den tatsächlich befahrenen Streckenabschnitten abgestimmt.
Verstöße und Bußgelder im Rahmen der LKW-Maut in Deutschland
| Verstoß | Für Fahrer | Für Halter/Unternehmen |
| Keine Maut entrichtet | bis zu 240 € | bis zu 480 € |
| Falsche Achs- oder Gewichtsangabe | bis zu 120 € | bis zu 240 € |
| Falsche Schadstoffklasse | bis zu 120 € | bis zu 240 € |
| Abweichung von der angegebenen Route | bis zu 120 € | bis zu 240 € |
| Fehler bei Kennzeichen oder Start/Ziel | 40 € | 40 € |
* In besonderen Fällen können bei schwerwiegenden Verstößen Geldstrafen von bis zu 20.000 € für juristische Personen verhängt werden.
Was tun: Wie kann man bezahlen oder Einspruch einlegen?
- Die Benachrichtigung wird an die Adresse des registrierten LKWs oder Vertreters geschickt.
- Die Strafe kann anhand der im Schreiben angegebenen Daten bezahlt werden.
- Um Einspruch einzulegen, kann bei BALM eine Beschwerde eingereicht werden, der Beweise beigefügt werden: Screenshots der Buchung, OBU-Daten, Route usw.
Eine gute Vorbereitung auf die Fahrt ermöglicht es, Strafen zu vermeiden, die Routen zu vereinfachen und die Logistik effektiv zu planen.
Offizielle Quellen und weiterführende Informationen
- Toll Collect (Mautsystem und Buchung): https://www.toll-collect.de
- Bundesamt für Logistik und Mobilität (BALM): https://www.balm.bund.de
- Bundesfernstraßenmautgesetz (BFStrMG): https://www.gesetze-im-internet.de/bfstrmg/
Hinweis: Diese Informationen dienen der allgemeinen Orientierung und stellen keine Rechtsberatung dar. Trotz sorgfältiger Prüfung kann keine Gewähr für Vollständigkeit und Aktualität übernommen werden. Maßgeblich sind ausschließlich die Veröffentlichungen der zuständigen Behörden (Toll Collect, BALM, BMDV).
FAQ
1. Was passiert, wenn sich bei der in Toll Collect registrierte Fahrweg bereits während der Fahrt ändert?
Bei manueller Buchung muss die registrierte Strecke vollständig mit der tatsächlichen Route übereinstimmen. Ändert sich der Fahrweg, muss die bestehende Buchung storniert und vor Befahren des neuen mautpflichtigen Abschnitts eine neue Registrierung vorgenommen werden.
2. Kann die LKW-Maut nachträglich bezahlt werden?
Nein. Registrierung und Zahlung müssen vor der Nutzung eines mautpflichtigen Straßenabschnitts erfolgen. Eine nachträgliche Bezahlung nach der tatsächlichen Fahrt ist im System nicht vorgesehen.
3. Wie werden Verstöße festgestellt – immer automatisch?
Die Kontrolle erfolgt über stationäre Kontrollbrücken, automatische Erfassungssysteme sowie mobile Einheiten des BALM. Die tatsächliche Fahrt wird mit den Daten aus dem Toll-Collect-System abgeglichen; bei Abweichungen wird ein Verwaltungsverfahren eingeleitet.
4. Müssen sich ausländische Transportunternehmen im Voraus bei Toll Collect registrieren?
Ja. Jedes mautpflichtige Fahrzeug – unabhängig vom Zulassungsland – muss vor der Nutzung mautpflichtiger Straßen in Deutschland im System von Toll Collect registriert sein.
5. Wo kann geprüft werden, ob tzGm, Achsenzahl und CO₂-Klasse korrekt hinterlegt sind?
Alle Fahrzeugdaten sind im Kundenportal von Toll Collect einsehbar. Der Fahrzeughalter ist verpflichtet, diese vor Fahrtantritt zu überprüfen und bei Bedarf zu korrigieren.
6. Was ist zu tun, wenn das Bordgerät (OBU) während der Fahrt nicht funktioniert?
Vor der Weiterfahrt auf mautpflichtigen Straßen musd eine manuelle Registrierung über das Toll-Collect-Portal oder die App erfolgen. Das Befahren mautpflichtiger Strecken ohne gültige Registrierung gilt als Verstoß.
7. Wer haftet bei Fehlern, die durch Disposition oder Verwaltung entstehen?
Verstöße werden dem Fahrzeughalter bzw. Betreiber zugerechnet – unabhängig davon, wer die Daten eingegeben hat. Die Pflicht zur ordnungsgemäßen Registrierung und Zahlung der Maut verbleibt beim Betreiber des Fahrzeugs.
8. Wie lange sind Fahrten und Zahlungen im System abrufbar?
Buchungen und Zahlungen sind im Toll-Collect-Kundenportal einsehbar und gelten als offizieller Nachweis. Konkrete gesetzliche Aufbewahrungsfristen werden öffentlich nicht ausgewiesen.
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